DAZ: Interview mit Christian Buse - Vorbereitungen auf die Rx-Boni-Ära

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Wie werden sich die deutschen Versandapotheken verhalten, wenn der Europäische Gerichtshof dem niederländischen Versender DocMorris Rx-Boni erlaubt? Im Gespräch mit DAZ.online erklärt Christian Buse, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken, die Strategie der inländischen Internet-Anbieter.

 

Die Entscheidung rückt näher: Nach dem Plädoyer des Generalanwaltes des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zur Angelegenheit „Rx-Boni für DocMorris“ soll das Urteil im Herbst folgen. Die Vorbereitungen im Apothekenmarkt könnten unterschiedlicher nicht sein: Während die ABDA – bis auf einen kleinenAusrutscher von Friedemann Schmidt – immer wieder daran erinnert, dass man das Urteil erst abwarten wolle, bereiten sich die Versandapotheken bereits auf die neue Boni-Ära vor. Im Gespräch mit DAZ.online erklärt BVDVA-Chef Christian Buse, worauf sich der deutsche Apothekenmarkt aus seiner Sicht einstellen kann.
 

DAZ.online: DocMorris ist ja eigentlich ein Konkurrent deutscher Versandapotheken. Warum würden Sie sich trotzdem freuen, wenn der EuGH DocMorris Rx-Boni erlaubt?

Buse: Wir haben im Verband keine Angst vor Veränderung. Ein bisschen frischer Wind tut der gesamten Apothekenbranche gut. Außerdem treten alle für einen funktionierenden europäischen Binnenmarkt ein. Das muss man dann auch für die eigene Branche akzeptieren und nicht nur immer für die anderen fordern.

DAZ.online: Welche Folgen erwarten Sie für den deutschen Apotheken- und Arzneimittelmarkt, wenn das Gericht dem Plädoyer des Generalanwaltes folgt?

Buse: Die deutsche Arzneimittelpreisverordnung dürfte unter Druck geraten. Derzeit läuft ja ohnehin schon ein Gutachten im Bundeswirtschaftsministerium und das Verfahren zu den Rabatten und Skonti der Großhandelsmarge. Vielleicht ist das Urteil Anlass, dass man auch in Deutschland über eine Modernisierung der Arzneimittelpreisgestaltung – möglicherweise hin zu einem Höchstpreismodell – nachdenkt.

DAZ.online: Welche Forderungen würden Sie für die deutschen Versandapotheken aufstellen, wenn das Gericht dem Plädoyer folgt?

Buse: Dann muss der Grundsatz der Gleichbehandlung gelten. Es kann nicht sein, dass es nach dem EuGH-Urteil zu einer Inländerdiskriminierung kommt. Warum sollten dann deutsche (Versand-)Apotheken etwas nicht dürfen, was Versender aus anderen europäischen Ländern dürfen?!

DAZ.online: Mehrfach haben Sie betont, dass Sie auf die Freigabe der Rx-Boni vorbereitet seien. Was genau meinen Sie damit? Welche Vorbereitungen haben Sie getroffen?

Buse: Als professionell aufgestellte Arzneimittelversender sind unsere Mitglieder natürlich ebenfalls in der Lage, auf sich verändernde Marktanforderungen entsprechend zu reagieren. Unsere Mitgliedsapotheken kennen das Rx-Geschäft – insofern ist das Vorbereitung genug. Sicher werden die Prozesse dahingehend weiter optimiert. Ziel ist immer ein gut versorgter und zufriedener Kunde – das haben die Versandapotheken bereits bewiesen und werden das auch bei veränderten Rahmenbedingungen tun.

DAZ.online: Was bedeutet das genau? Wird sich der BVDVA als Verband juristisch einmischen? Oder werden einzelne Versandapotheken einfach nach vorne preschen und Boni anbieten?

Buse: Der BVDVA wird mit Sicherheit nicht klagen. Hier geht es ja nicht darum, dass ein Verband gegen oder für etwas klagt. Im Übrigen würde ein Mitgliedsunternehmen maximal auf eine Klage reagieren, diese aber nicht selbst anstreben. Diese Situation wäre gegeben, wenn deutsche Arzneimittelversender auf gleiches Recht für alle – dann zu Recht – bestehen und von dritter Seite verklagt würden. Dass der Verband in einem solchen Falle einem beklagten Mitglied beratend zur Seite steht, gehört zum solidarischen Verständnis einer Verbandsorganisation.

DAZ.online: Welche Anbieter im Markt werden im Falle einer Freigabe der Rx-Boni als Gewinner vom Feld gehen? Nur Versandapotheken? Oder auch Vor-Ort-Apotheken? Bestimmte Versandapotheken?

Buse: Warum sollten von Marktveränderungen nur bestimmte Gruppierungen profitieren? Am Ende ist es doch so, dass diejenigen, die mit innovativen und kundenorientierten Konzepten erfolgreich sind, diesen Erfolg auch bei Veränderungen halten und ausbauen. Man sollte immer erst die Chancen einer Veränderung sehen und ihr nicht immer gleich mit einer Risikokultur begegnen.

 

Das vollständige DAZ-Interview mit Christian Buse finden Sie hier.

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