Das E-Rezept wird bald kommen und das lange Warten hat ein Ende

Seit Anfang des Jahres sollte das Gesundheitswesen vom E-Rezept profitieren. Wie bei jedem IT-Projekt ist die Implementierung erst einmal zusätzliche Arbeit, die sich aber schon nach kurzer Zeit auszahlt – aus anfänglichem Widerstand wird meist große Zustimmung. In Deutschland sollten wir diese Schwelle bald überschreiten.

Das E-Rezept bringt neben einer höheren Arzneimittelsicherheit eine verbesserte Kommunikation und mehr Transparenz im Gesundheitswesen, dazu senkt es den Aufwand in der Handhabung, den Papierbedarf und sorgt für insgesamt kürzere Wege. Letzteres z.B. durch die Möglichkeit der Patienten, vorab die Bevorratung in der Apotheke checken zu lassen. Bis wir alle von diesen Vorteilen profitieren können, sollen 30.000 E-Rezepte in Testgebieten verschrieben worden sein, dann soll es flächendeckend verpflichtend werden – im Sommer 2022 könnte es so weit sein. Ganz sicher zum Jahresende. Die Gematik-App „Das E-Rezept“ steht für die Patienten bereit, die Telematikinfrastruktur (TI) ist eingerichtet und über sog. SMC-B („Secure Module Card – Betriebsstätte“) können sich medizinische und pharmazeutische Einrichtungen sicher an die Services der TI anmelden. Über das Dashboard der Gematik kann sich jeder über den Fortschritt informieren.

Einfachere Prozesse in den Arztpraxen

Bisher verschreiben Ärzte nach medizinischen und ökonomischen Gesichtspunkten einen Wirkstoff und wählen das passende Arzneimittel aus – nach einer persönlichen Beratung und Kenntnis des Patienten und seiner Vorgeschichte. Die Verschreibung erfasst der Arzt im Verwaltungssystem, druckt das Rezept aus und unterschreibt es. Der Patient löst es in der Apotheke ein und der Arzt reicht alle Verschreibungen am Quartalsende bei der Verrechnungsstelle ein. Ein E-Rezept kann der Arzt direkt in die E-Rezept-App des Patienten übermitteln, mit elektronisch signierten Anmerkungen – es entfallen Arbeitsschritte, die den Betrieb in der Arztpraxis entlasten. Nur wenn ein Patient keine E-Rezept-App auf dem Smartphone hat, muss der Arzt einen QR-Code ausdrucken, der einmalig in der Apotheke eingelöst werden kann. Aber Papier soll und wird auf lange Sicht der Vergangenheit angehören.

Auch die Apotheker haben es einfacher mit dem E-Rezept

Ist das elektronische Rezept auf der App, erscheint es in der Warenwirtschaft der Apotheke und der Patient kann es zur Abholung reservieren, einen Botendienst anfragen oder direkt bei einer Versandapotheke bestellen. Auch Angehörige dürfen für ihre Kinder, Eltern und Partner eine Verordnung gegen entsprechenden Nachweis einlösen.

Über die Warenwirtschaft der Apotheke werden automatisch das Ausstellungsdatum, die Patientendaten und die verordneten Medikamente gecheckt. Das System schlägt Rabattartikel vor, wählt Importarzneimittel nach gängiger Regelung aus und kann ein Rezept einem Bestandskunden zuordnen.

Das E-Rezept ist auf dem Weg zu einem Spitzenservice

Das E-Rezept wird irgendwann so selbstverständlich sein, wie die Bahn-App für den Ticketkauf. Bald werden die Patienten Medikamente via E-Rezept digital vorbestellen und sich nach Hause liefern lassen können. Geplant sind weiterhin Abfragen der Verfügbarkeit, weitere Sprachen wie Englisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch etc. sowie das Weiterleiten eines E-Rezeptes an Angehörige.

Auch Sprechstundenbedarf, Betäubungsmittel, Hilfsmittel, Verbandstoffe, Teststreifen, Ernährungslösungen sowie T-Rezepte (bestimmte Wirkstoffgruppen) sollen bald digital erstellt werden können. Letztlich sind wir alle darauf angewiesen, dass die Beteiligten den Schritt über die Schwelle gehen und die langfristigen Vorteile sehen und vielleicht weniger den möglicherweise kurzfristigen Aufwand.

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