Arzneimittelversorgung zukunftsfähig gestalten | Rückfall in alte Verbotsmuster verhindern

Berlin, 10. September 2019 | Seit rund 15 Jahren versenden Apotheken in Deutschland Arzneimittel. Seit drei Jahren wird verstärkt über Pro und Contra des Arzneimittelversands diskutiert – da der EuGH den ausländischen Apotheken erlaubt hat, Boni auf Rx-Arzneimittel zu geben, was deutschen Apotheken durch die nationale Arzneimittelpreisverordnung verwehrt ist. Lösungen liegen auf dem Tisch – doch der Gesundheitsausschuss des Bundesrates fordert erneut: Rx-Versand soll in Deutschland verboten werden. Warum eigentlich?

Bereits am 20. September kommt das Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheke von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im ersten Durchgang in den Bundesrat. Es soll den Festpreis für verschreibungspflichtige Arzneimittel in das Sozialgesetzbuch übertragen und so das EuGH-Boni-Urteil umsetzen. Dann würden für gesetzlich Versicherte Einheitspreise gelten, für die 10 Prozent der Privatversicherten möglicherweise allerdings nicht. Außerdem sollen die Apotheker durch das Gesetz, das insgesamt neun Gesetze und Verordnungen tangiert, besser vergütet und Botendienste erweitert werden.

Deutsche Bürger wollen Arzneimittelversand

Obwohl die Deutschen in Umfragen den Arzneimittelversand bejahen und ihn seit rund 15 Jahren millionenfach nutzen, empfiehlt der Gesundheitsausschuss der Länderkammer nun, ihn komplett für verordnungspflichtige Arzneimittel zu verbieten. Welche Interessen die Gesundheitsminister der Länder dabei verfolgen, bleibt unklar. Die Argumentation folgt alten Mustern: Die Preisbindung sei für eine flächendeckende Arzneimittelversorgung von großer Bedeutung –
obwohl der EuGH diese These widerlegt hat.

Dabei liegen die Probleme an anderer Stelle: Viele Apotheken leiden unter fehlendem Personal, stetig wachsender Bürokratie, schließenden Arztpraxen und hohen Mieten. „Warum setzt die Politik nicht hier an und findet Lösungen? Stattdessen wird um den Arzneimittelversand endlos diskutiert“, sagt Christian Buse, Apotheker und Vorstand des BVDVA. Der Arzneimittelversand ist keine „Bedrohung“ für Vor-Ort-Apotheken. Er gehört zum gesunden Wandel im Rahmen der digitalen Transformation des Gesundheitswesens, den Deutschland sehr dringend braucht.

„Wir alle wollen Leben und Gesundheit der Bürger als höchstes Gut schützen. Dazu gehört ganz klar die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Apotheken mit und ohne Versandhandel tragen heute beide ihren Teil dazu bei“, resümiert Christian Buse. Anstatt über Verbote und die Betonierung alter Wege nachzudenken, sollten man Strukturen im Gesundheitswesen im Sinne der Patient*innen rascher modernisieren.

 

Über den BVDVA
Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) ist seit 2004 Interessenvertreter und Dienstleister der zugelassenen deutschen Versandapotheken und schützt deren beruflichen, wirtschaftlichen und politischen Interessen. Der BVDVA arbeitet auf Landes- und Bundesebene und engagiert sich für die Sicherstellung einer hohen Qualität der pharmazeutischen Versorgung im Arzneimittelversandhandel, wobei die bestmögliche pharmazeutische Beratung und Betreuung der Patienten im Fokus steht.

Rückfragen: presse(at)bvdva.de – Udo Sonnenberg | http://www.bvdva.de/aktuelles/presse
Pressematerial (Logos, Fotos, Grafiken): http://www.bvdva.de/veroeffentlichungen/fotodatenbank

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